Engagementförderung auf kommunaler Ebene

 
Ein Beitrag des Bürgerbüros         
NEU! Hier finden Sie aktuelle Angebote für Freiwillige und Fortbildungen
der AVIB gemn.e.V.
Burgblick 3
35327 Ulrichstein
Tel.: 06645 - 918789

 

Bitte beachten Sie auch unsere Spezialseite

http://fzulrichstein-buergerforum.npage.de/

 

 

Ein Freiwilligenzentrum für Ulrichstein

Freiwilligenzentren (auch Freiwilligenagenturen, Ehrenamtsagenturen, Freiwilligenbörsen etc. genannt) gehören zu den lokalen Einrichtungen zur Förderung des bürgerschaftlichen Enga-gements. Sie

  • regen Mitbürger dazu an, sich für ihr Gemeinwesen ehrenamtlich einzusetzen,
  • unterstützen gemeinnützige Organisationen, Verwaltung und Wirtschaft dabei, sich ehrenamtlich Engagierten zu öffnen und geeignete Rahmenbedingungen für deren Engagement zu schaffen,
  • beteiligen sich an bestehenden Netzwerken oder schaffen bei Bedarf neue,
  • beobachten die Veränderungen in der Gesellschaft und entwickeln innovative Projekte, die auf den Bedarf vor Ort reagieren, und
  • schaffen zusätzliche Partizipationsmöglichkeiten und Anerkennung für Freiwillige.

Weitere Definitionen:  ​

Natürlich gibt es in Ulrichstein - wie in vielen anderen Städten und Gemeinden des Vogels-bergkreises auch - viel ehrenamtliches Engagement der Bürgerinnen und Bürger, das seitens Politik und Verwaltung auch durchaus Unterstützung findet. So widmet sich der "Verein zur Er- haltung der Burgruine Schlossberg" der Pflege des Ulrichsteiner Wahrzeichens. Der im Jahr 2000 unterhalb des Burgareals angelegte Vogelsberggarten, der Einblicke in die Pflanzenwelt der heimischen Kulturlandschaft vermittelt, wird von einem Verein der Freunde und Förderer unterhalten. Durch eine Einladung zum Bürgerempfang des Hessischen Ministerpräsidenten in Homberg/Efze wurden 2014 die Ulrichsteinerinnen Ingrid Frank, Brunhilde Kaiser und Astrid Lünse für ihr ehrenamtliches Engagement in der Seniorenarbeit, der Nachbarschaftshilfe so- wie beim VdK und VHC geehrt. In diesem Zusammenhang sind auch die Freiwillige Feuer-wehr, die örtlichen Sportvereine sowie diejenigen Ulrichsteiner Bürgerinnen und Bürger zu er-wähnen, die das erst kürzlich eingerichtete Flüchtlingswohnheim unterstützen.    

Ein kritischer Blick auf die Angebotspalette ehrenamtlicher Aktivitäten zeigt aber auch Lücken in bestimmten Zukunftsbereichen bzw. mangelndes Knowhow auf dem Gebiet des Freiwilli-genmanagements. Nirgends ist dies deutlicher geworden als beim Umgang mit der bereits 2009 veröffentlichten Studie "Demografischer Wandel im ländlichen Raum - Perspektiven für Ulrichstein", deren Aktualisierung und Umsetzung immer noch auf sich warten lassen, und dem gescheiterten Versuch, in Ulrichstein einen Generationenhilfe-Verein zu etablieren. Zu- dem ist eine gewisse Abkoppelung Ulrichsteins von den gewachsenen Netzwerkstrukturen des Landes festzustellen. In der Ehrenamtssuchmaschine der LandesEhrenamtsagentur Hes- sen sucht man örtliche Anlaufstellen für Freiwillige oder Tätigkeitsfelder für ehrenamtliches Engagement (außer der AVIB gemn.e.V.) vergebens. Und in einer Darstellung des Vogels- bergkreises als "Lebens-, Wirtschafts- und Bildungsregion" wird Ulrichstein als einzige unter den Städten des Kreisgebiet nicht einmal erwähnt. 

Um die Probleme der Zukunft zu bewältigen, ich nenne hier nur die Verödung ländlicher Regionen infolge der Sogwirkung großstädtischer Ballungsgebiete, die vorprogrammierte Altersarmut wachsender Bevölkerungskreise infolge prekärer Beschäftigungsverhältnisse und lückenhafter Erwerbsbiografien sowie den in absehbarer Zeit kaum noch zu behebenden Mangel an bezahlbaren und bedürfnisgerechten Wohnungen infolge einer Jahrzehnte wäh-renden Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus, bedarf es eines permanenten Zu-stroms kreativer Ideen und  unkonventioneller Problemlösungsstrategien sowie eines offenen Dialogs mit dem Bürger. Nur ein Beispiel: Dank der technischen Revolution in der Bautechnik (industrielle Serienfertigung) und unter der Voraussetzung einer pragmatischen Handhabung der Baugesetzgebung könnte beim aktuellen Zinsniveau für jeden Empfänger von Grund-sicherung im Alter oder ALG 2 ein barrierefreies und energieoptimiertes 40-Quadratmeter-Häuschen errichtet werden, wobei zu denselben Kosten, die in die öffentliche Bezuschussung von Mietkosten fließen, praktisch öffentliches Eigentum gebildet würde!
 
Freiwilligenzentren wären der richtige Ort, um neue Konzepte zu entwickeln, die dank der Mo-bilisierung der Freiwilligen vor Ort zudem schnell und unbürokratisch in die Praxis umgesetzt werden könnten.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Hessische Landesregierung große Anstrengungen unternommen, um das ehrenamtliche Engagement anzuregen und zu fördern. Man tut den Vogelsbergern sicherlich nicht Unrecht, wenn man feststellt, dass die Resonanz auf diese Bemühungen in anderen Regionen Hessens bisher deutlich größer war. Doch inzwischen ist eine Belebung festzustellen. Die zunächst nur recht vereinzelt entstandenen und immer noch recht verstreut anzutreffenden Generationenhilfe- oder Nachbarschaftshilfe-Projekte finden in zukunftsorientierten und vorausdenkenden Verwaltungen bzw. Bürgergruppen neues Inter- esse. Dies gilt erfreulicherweise nun auch für sehr ländlich strukturierte Gemeinden, von denen man bisher annahm, dass diese als "funktionierende Gemeinwesen" die gegenseitige Hilfe gar nicht organisieren müssten, weil sie dort noch selbstverständlich sei. Auch Wohn- alternativen zum Seniorenheim sowie Mehrgenerationenhäuser/Familienzentren (nicht zu ver- wechseln mit den Mehrgenerationen-Wohnprojekten!) werden inzwischen vereinzelt projektiert (alternative Wohnformen in Romrod, Schlitz, Ulrichstein) oder sogar realisiert (Mehrgene-rationen-Häuser/Familienzentren in Homberg/Ohm, Romrod). Von besonderer Bedeutung  er- scheint mir die Pflegebegleiter-Initiative zur Unterstützung pflegender Angehöriger, die von dem Freiwilligenzentrum Alsfeld (Herrn Rahm als Engegementlotsen) ausgeht. Das "FZ-Als-feld", bisher einziges Freiwilligenzentrum im Vogelsbergkreis, ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, welche Vielzahl von Projekten und positiven Entwicklungen durch Einrichtungen dieser Art angestoßen werden kann. Eben deshalb braucht gerade Ulrichstein ein solches Frei- willigenzentrum!

 

Die Arbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz... (AVIB) als Partner und Sponsor des Freiwilligenzentrums

Die AVIB gemn.e.V. ist eine Verbraucherberatungsstelle mit dem Schwerpunkt "Wohnen und Betreuung" (z.B. Schüler-Internate, Mehrgenerationen-Wohnprojekte, Seniorendörfer usw.). Ausdücklich nicht zu unserem Arbeitsgebiet gehören professionelle Pflegedienste, Pflege-heime, Hospize oder ähnliche Einrichtungen.

Alternative Wohnkonzepte für die Generation 60 Plus, die wir nach verbraucherschützerischen Kriterien untersuchen und zu deren Optimierung bzw. Weiterentwicklung wir - auch durch eigene Konzepte oder Projekte - beitragen wollen, räumen der gegenseitigen Hilfe der Bewoh-ner bzw. dem generationenübergreifenden Austausch von Leistungen (auch unter Einbezie-hung Dritter) auf ehrenamtlicher Grundlage einen hohen Stellenwert ein. Es liegt daher nahe, sich in diesem Kontext auch mit der Förderung bzw. der Organisation des ehrenamtlichen Engagements zu befassen. Deren Qualität stellt nämlich zugleich das zentrale Qualitätskrite-rium für das Betreuungsangebot alternativer Wohnformen für die Generation 60 Plus dar.

Das von der AVIB entwickelte und publizierte Konzept zur Quartiersentwicklung des ehema-ligen Feriendorfs Ulrichstein, das die Initiierung einer sog. Siedlungs- oder Quartiersgemein-schaft sowie die Sanierung und Nachverdichtung durch neue Formen des Sozialen Wohnens/ Bauens vorsieht, beinhaltet notwendigerweise auch gezielte Maßnahmen zur Gewinnung, Qualifizierung und zum Einsatz sog. "Freiwilliger", wie sie ausdrücklich auch von der Hessi-schen Landesregierung befürwortet und gefördert werden. 

Das Freiwilligenzentrum hat die Form einer "Initiative" (entspricht der Rechtsform des nicht eingetragenen Vereins). Dies ist insofern vertretbar, als durch die AVIB als Gründungspartner und Financier die verbindliche Struktur eines gemeinnützigen Vereins im Hintergrund gegeben ist und der Aufwand einer weiteren Vereinsgründung vermieden werden kann. Zudem bleiben damit weitere Optionen im Sinne der Entwicklung zum eigenständigen (Sozial-)Unternehmen erhalten, die dem eingetragenen gemeinnützigen Verein verwehrt wären, die aber im Zusam-menhang mit der aktuellen Diskussion um die Finanzierungsproblematik von Freiwilligen-zentren/Freiwilligen-Agenturen (siehe auch unter "Trägermodelle/Finanzierung" im Menü) ei-ne durchaus erwägenswerte Alternative darstellen. 

Unabhängig von solchen Überlegungen braucht natürlich auch das FZ Ulrichstein Strukturen, die es als Einrichtung identifizierbar und seine Angebote bzw. deren Qualität für Außen-stehende einschätzbar machen. Daher wurde die "Freiwilligenagentur Ulrichstein" als erstes mit eigener Webseite und Email-Adresse in die Ehrenamts-Suchmaschine der LandesEhren-amtsagentur Hessen eingetragen sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagen-turen (bagfa) angezeigt. Wir orientieren uns zudem an den für die Arbeit von Freiwilligen-zentren/-Agenturen entwickelten Qualitätskriterien (siehe z.B. die Thesen von Reinert), be-teiligen uns an dem von der bagfa entwickelten Qualitätsmanagementsystem und streben eine Zertifizierung des FZ Ulrichstein durch die bagfa an. Ferner ist eine regelmäßige Teil-nahme der ständigen Mitarbeiter an Qualifizierungsmaßnahmen für Ehrenamtliche des Amtes für soziale Sicherung des Vogelsbergkreises und hausinternen Schulungen vorgesehen.

Wohl wissend, dass einer Anbindung von Freiwilligenagenturen an die jeweilige Kommune bzw. der Rechtsform des eigenständigen gemeinnützigen Vereins allgemein der Vorzug ge-geben wird, haben wir uns zu der vorstehend beschriebenen Organisationsstruktur entschlos-sen. Denn aus der kritischen Analyse der allgemeinen Situation von Freiwilligenzentren, bzw. -agenturen in Deutschland (vgl. Reinert, Backhaus-Maul/Speck, IFOK-Abschlussbericht) er-geben sich weder die Anbindung an eine Gemeindeverwaltung als beste Möglichkeit, die Arbeit einer FA/FZ abzusichern, noch der gemeinnützige e.V. als ideale Form der Träger-schaft.
In aller Regel führt die Abhängigkeit von der Kommune zur Bürokratisierung und damit zur Verlangsamung aller Arbeitsabläufe. Unkonventionelle Arbeitsmethoden sowie kreative Pro-blemlösungen und erst recht natürlich die Wahrnehmung von Aufgaben, die eher dem kri-tisch-zivilgesellschaftlichen als dem angepasst-bürgerschaftlichen Sektor zuzurechnen sind, werden hierdurch unnötig erschwert. Insgesamt geht damit ein wesentlicher Vorteil der Ehren-amtlichkeit, des frei gewählten Dienstes an der Gesellschaft, verloren.
Angesichts der zunehmenden Appelle an die Betreiber von Freiwilligenagenturen, sich stärker "unternehmerisch aufzustellen", erscheinen traditionelle Vereinsstrukturen wenig attraktiv. Zielführender wäre hier wohl eher die Rechtsform der Unternehmergesellschaft (UG haftungs-beschränkt, besser bekannt als "1 Euro GmbH" oder "Mini-GmbH"), des Sozialunternehmens oder gar der gewinnorientierten "Firma". Zumindest die beiden Erstgenannten können bei Beachtung der einschlägigen Anforderungen der Abgabenordnung auch als gemeinnützig anerkannt werden.         

Vorerst ist das "FZ Ulrichstein" aber eine "Initiative" einer kleinen Initiatoren-Gruppe, die aus den Reihen der AVIB-Mitglieder stammen.  Die AVIB gemn.e.V. fungiert gegenüber dem Frei-willigenzentrum als Gründungs-Partner und Sponsor,  stellt also z.B. Räume und Büroaus-stattung zur Verfügung. Sie erfüllt damit dieselbe Funktion wie eine Kommune, bei der Frei-willigenagenturen/-zentren mangels anderer Unterstützer häufig angebunden werden (aber nicht unbedingt angebunden sein müssen!).

Ungeachtet einer formal unterschiedlichen Trägerschaft besteht ein enger Zusammenhang zwischen den Zielen einer Verbraucherberatungsstelle und denjenigen eines Freiwilligenzen-trums. Engagementförderung und Verbraucherschutz begegnen sich in dem Ziel einer Ver-besserung der Daseinsvorsorge vor Ort. Beide tragen zur allgemeinen oder individuellen Auf-wertung der Lebensverhältnisse bei. In diesem Sinne beteiligt sich die AVIB gemn.e.V. auch an Projekten des Freiwilligenzentrums. So können etwa Informationsveranstaltungen angebo-ten werden, die thematisch im Schnittpunkt von Verbraucherschutz, Bildung für zivilgesell-schaftliches Engagement und Quartiersentwicklung liegen.

Nach der im Oktober 2015 erfolgten formellen Einrichtung des Freiwilligenzentrums als "Un-termieter" in den Räumen der AVIB gemn. e.V. hat das "FZ" unmittelbar seine Arbeit aufge-nommen. 

Die Räumlichkeiten in den Häusern Burgblick 1-3  in 35327 Ulrichstein (siehe Lageplan) ste-hen dem FZ mietfrei zur Verfügung. Das "Bürgerbüro" im Haus Burgblick 3 als erstes Projekt des FZ (gemeinsam mit der AVIB) ist bereits besetzt und unter der gemeinsamen Rufnummer 06645 - 918789 praktisch "rund um die Uhr" erreichbar.

Die Email-Adresse des Freiweilligenzentrums Ulrichstein lautet fzulrichstein@gmail.com.

Lageplan des Freiwilligenzentrums (Bürgerbüro Haus 3, Treffpunkt und Seminarräume Haus 1+2)

Neben der Einrichtung des Bürgerbüros gibt es bereits eine Reihe weiterer Projekte, die das FZ unmittelbar realisieren, weiter ausbauen oder später neu auf den Weg bringen will:

  • Gründung eines "Help-Centers" (siehe Lageplan) mit Sharingbox für Gartengeräte und Werkzeuge (nur für die Mitglieder der Quartiersgemeinschaft)
  • Kooperation mit der interkommunalen "Generationenhilfe Bürger für Bürger" in Greben-hain sowie weiteren Generationenhilfe-Neugründungen (z.B. Schwalmtal)
  • Ausbau der Quartiersgemeinschaft im Wohngebiet Burgblick
  • Konzept "Soziales Bauen" (Leerstandsbekämpfung und Gewinnung von Neubürgern durch Nachverdichtung mit sog. Microhäusern bzw. Sanierung von Kleinwohnungen)
  • Entwicklung eines Unterstützungsangebots für pflegende Angehörige in Ulrichstein und Ausbildung von Pflege-Begleitern über die Initiative von Herrn Rahm im FZ Alsfeld
  • Netzwerk "Alternatives Wohnen im Vogelsbergkreis"
  • Verbraucherberatungsstelle für Senioren (AVIB gemn.e.V.) mit dem Schwerpunkt "Verbesserung der individuellen Lebensverhältnisse"
  • Foodsharing-Stützpunkt, Koch-Club, gemeinsamer Mittagstisch inkl. Ernährungsberatung
  • Mitfahrzentrale, Transporthilfe
  • Begegnungsstätte für das Wohngebiet Burgblick/Mehrgenerationenhaus/Familienzentrum
  • Informations- und Tagungsveranstaltungen zu den Themenkreisen Generationenhilfe, Pflege-Begleitung, Verbraucherschutz usw. (Info-Center).

Es gibt viel zu tun. Packen wir's an!

 

U. Lange