Engagementförderung auf kommunaler Ebene

 
Ein Beitrag des Bürgerbüros         
NEU! Hier finden Sie aktuelle Angebote für Freiwillige und Fortbildungen
der AVIB gemn.e.V.
Burgblick 3
35327 Ulrichstein
Tel.: 06645 - 918789

 


 Aktuelle Termine 

 

Familienbündnis - HF Gesundheit und Pflege:

Mittwoch, 25.01.2017, 16 Uhr, Sitzungssaal Landratsamt in Lauterbach, Goldhelg 20


 Aktuelle Modellprojekte mit Bürgerbeteiligung im  Vogelsbergkreis 

http://fzulrichstein-buergerforum.npage.de/modellvorhaben-mit-buergerbeteiligung.html


 

 

Ein Freiwilligenzentrum für Ulrichstein

Um die Probleme der Zukunft zu bewältigen, ich nenne hier nur die Verödung ländlicher Regionen infolge der Sogwirkung großstädtischer Ballungsgebiete, die vorprogrammierte Altersarmut wachsender Bevölkerungskreise infolge prekärer Beschäftigungsverhältnisse und lückenhafter Erwerbsbiografien, den  Mangel an bezahlbaren und bedürfnisgerechten Wohnungen insbesondere für ältere Menschen infolge einer Jahrzehnte währenden Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus sowie die Angebotslücke im Bereich der Alltagshilfen für Senioren, bedarf es eines permanenten Zustroms kreativer Ideen und  unkonventioneller Problemlösungsstrategien sowie eines offenen Dialogs mit dem Bürger. Nur ein Beispiel: Dank der technischen Revolution in der Bautechnik (industrielle Serienfertigung) und unter der Voraussetzung einer pragmatischen Handhabung der Baugesetzgebung könnte beim aktuellen Zinsniveau für jeden Empfänger von Grund-sicherung im Alter oder ALG 2 ein barrierefreies und energieoptimiertes 40-Quadratmeter-Häuschen errichtet werden, wobei zu denselben Kosten, die in die öffentliche Bezuschussung von Mietkosten fließen, praktisch öffentliches Eigentum gebildet würde!
 
Freiwilligenzentren sind der richtige Ort, um neue Konzepte zu entwickeln, die dank der Mobilisierung der Freiwilligen vor Ort zudem schnell und unbürokratisch in die Praxis umgesetzt werden könnten.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Hessische Landesregierung große Anstren-gungen unternommen, um das ehrenamtliche Engagement anzuregen und zu fördern. Man tut den Vogelsbergern sicherlich nicht Unrecht, wenn man feststellt, dass die Resonanz auf diese Bemühungen in anderen Regionen Hessens bisher deutlich größer war. Doch inzwischen ist eine Belebung festzustellen. Die zunächst nur recht vereinzelt entstandenen und immer noch recht verstreut anzutreffenden Generationenhilfe- oder Nachbarschaftshilfe-Projekte finden in zukunftsorientierten und vorausdenkenden Verwaltungen bzw. Bürgergruppen neues Inter- esse. Dies gilt erfreulicherweise nun auch für sehr ländlich strukturierte Gemeinden, von denen man bisher annahm, dass diese als "funktionierende Gemeinwesen" die gegenseitige Hilfe gar nicht organisieren müssten, weil sie dort noch selbstverständlich sei. Auch Wohn- alternativen zum Seniorenheim sowie Mehrgenerationenhäuser/Familienzentren (nicht zu ver- wechseln mit den Mehrgenerationen-Wohnprojekten!) werden inzwischen vereinzelt projektiert (alternative Wohnformen in Romrod, Schlitz, Ulrichstein) oder sogar realisiert (Mehrgene-rationen-Häuser/Familienzentren in Homberg/Ohm, Romrod). Von besonderer Bedeutung  er- scheint mir die Pflegebegleiter-Initiative zur Unterstützung pflegender Angehöriger, die von dem Freiwilligenzentrum Alsfeld (Herrn Rahm als Engegementlotsen) ausgeht. Das "FZ-Als-feld", bisher einziges Freiwilligenzentrum im Vogelsbergkreis, ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, welche Vielzahl von Projekten und positiven Entwicklungen durch Einrichtungen dieser Art angestoßen werden kann. Eben deshalb braucht gerade Ulrichstein ein solches Frei- willigenzentrum!

 

Die Arbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz... (AVIB) als Partner und Sponsor des Freiwilligenzentrums

Die AVIB gemn.e.V. ist eine Verbraucherberatungsstelle mit dem Schwerpunkt "Wohnen und Betreuung" (z.B. Schüler-Internate, Mehrgenerationen-Wohnprojekte, Seniorendörfer usw.). Ausdücklich nicht zu unserem Arbeitsgebiet gehören professionelle Pflegedienste, Pflege-heime, Hospize oder ähnliche Einrichtungen.

Alternative Wohnkonzepte für die Generation 60 Plus, die wir nach verbraucherschützerischen Kriterien untersuchen und zu deren Optimierung bzw. Weiterentwicklung wir - auch durch eigene Konzepte oder Projekte - beitragen wollen, räumen der gegenseitigen Hilfe der Bewoh-ner bzw. dem generationenübergreifenden Austausch von Leistungen (auch unter Einbezie-hung Dritter) auf ehrenamtlicher Grundlage einen hohen Stellenwert ein. Es liegt daher nahe, sich in diesem Kontext auch mit der Förderung bzw. der Organisation des ehrenamtlichen Engagements zu befassen. Deren Qualität stellt nämlich zugleich das zentrale Qualitätskrite-rium für das Betreuungsangebot alternativer Wohnformen für die Generation 60 Plus dar.

Das von der AVIB entwickelte und publizierte Konzept zur Quartiersentwicklung des ehema-ligen Feriendorfs Ulrichstein, das die Initiierung einer sog. Siedlungs- oder Quartiersgemein-schaft sowie die Sanierung und Nachverdichtung durch neue Formen des Sozialen Wohnens/ Bauens vorsieht, beinhaltet notwendigerweise auch gezielte Maßnahmen zur Gewinnung, Qualifizierung und zum Einsatz sog. "Freiwilliger", wie sie ausdrücklich auch von der Hessi-schen Landesregierung befürwortet und gefördert werden. 

Das Freiwilligenzentrum hat die Form einer "Initiative" (entspricht der Rechtsform des nicht eingetragenen Vereins). Dies ist insofern vertretbar, als durch die AVIB als Gründungspartner und Financier die verbindliche Struktur eines gemeinnützigen Vereins im Hintergrund gegeben ist und der Aufwand einer weiteren Vereinsgründung vermieden werden kann. Zudem bleiben damit weitere Optionen im Sinne der Entwicklung zum eigenständigen (Sozial-)Unternehmen erhalten, die dem eingetragenen gemeinnützigen Verein verwehrt wären, die aber im Zusam-menhang mit der aktuellen Diskussion um die Finanzierungsproblematik von Freiwilligen-zentren/Freiwilligen-Agenturen (siehe auch unter "Trägermodelle/Finanzierung" im Menü) ei-ne durchaus erwägenswerte Alternative darstellen. 

Unabhängig von solchen Überlegungen braucht natürlich auch das FZ Ulrichstein Strukturen, die es als Einrichtung identifizierbar und seine Angebote bzw. deren Qualität für Außen-stehende einschätzbar machen. Daher wurde die "Freiwilligenagentur Ulrichstein" als erstes mit eigener Webseite und Email-Adresse in die Ehrenamts-Suchmaschine der LandesEhren-amtsagentur Hessen eingetragen sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagen-turen (bagfa) angezeigt. Wir orientieren uns zudem an den für die Arbeit von Freiwilligen-zentren/-Agenturen entwickelten Qualitätskriterien (siehe z.B. die Thesen von Reinert), be-teiligen uns an dem von der bagfa entwickelten Qualitätsmanagementsystem und streben eine Zertifizierung des FZ Ulrichstein durch die bagfa an. Ferner ist eine regelmäßige Teil-nahme der ständigen Mitarbeiter an Qualifizierungsmaßnahmen für Ehrenamtliche des Amtes für soziale Sicherung des Vogelsbergkreises und hausinternen Schulungen vorgesehen.

Wohl wissend, dass einer Anbindung von Freiwilligenagenturen an die jeweilige Kommune bzw. der Rechtsform des eigenständigen gemeinnützigen Vereins allgemein der Vorzug ge-geben wird, haben wir uns zu der vorstehend beschriebenen Organisationsstruktur entschlos-sen. Denn aus der kritischen Analyse der allgemeinen Situation von Freiwilligenzentren, bzw. -agenturen in Deutschland (vgl. Reinert, Backhaus-Maul/Speck, IFOK-Abschlussbericht) er-geben sich weder die Anbindung an eine Gemeindeverwaltung als beste Möglichkeit, die Arbeit einer FA/FZ abzusichern, noch der gemeinnützige e.V. als ideale Form der Träger-schaft.
In aller Regel führt die Abhängigkeit von der Kommune zur Bürokratisierung und damit zur Verlangsamung aller Arbeitsabläufe. Unkonventionelle Arbeitsmethoden sowie kreative Pro-blemlösungen und erst recht natürlich die Wahrnehmung von Aufgaben, die eher dem kri-tisch-zivilgesellschaftlichen als dem angepasst-bürgerschaftlichen Sektor zuzurechnen sind, werden hierdurch unnötig erschwert. Insgesamt geht damit ein wesentlicher Vorteil der Ehren-amtlichkeit, des frei gewählten Dienstes an der Gesellschaft, verloren.
Angesichts der zunehmenden Appelle an die Betreiber von Freiwilligenagenturen, sich stärker "unternehmerisch aufzustellen", erscheinen traditionelle Vereinsstrukturen wenig attraktiv. Zielführender wäre hier wohl eher die Rechtsform der Unternehmergesellschaft (UG haftungs-beschränkt, besser bekannt als "1 Euro GmbH" oder "Mini-GmbH"), des Sozialunternehmens oder gar der gewinnorientierten "Firma". Zumindest die beiden Erstgenannten können bei Beachtung der einschlägigen Anforderungen der Abgabenordnung auch als gemeinnützig anerkannt werden.         

Vorerst ist das "FZ Ulrichstein" aber eine "Initiative" einer kleinen Initiatoren-Gruppe, die aus den Reihen der AVIB-Mitglieder stammen.  Die AVIB gemn.e.V. fungiert gegenüber dem Frei-willigenzentrum als Gründungs-Partner und Sponsor,  stellt also z.B. Räume und Büroaus-stattung zur Verfügung. Sie erfüllt damit dieselbe Funktion wie eine Kommune, bei der Frei-willigenagenturen/-zentren mangels anderer Unterstützer häufig angebunden werden (aber nicht unbedingt angebunden sein müssen!).

Ungeachtet einer formal unterschiedlichen Trägerschaft besteht ein enger Zusammenhang zwischen den Zielen einer Verbraucherberatungsstelle und denjenigen eines Freiwilligenzen-trums. Engagementförderung und Verbraucherschutz begegnen sich in dem Ziel einer Ver-besserung der Daseinsvorsorge vor Ort. Beide tragen zur allgemeinen oder individuellen Auf-wertung der Lebensverhältnisse bei. In diesem Sinne beteiligt sich die AVIB gemn.e.V. auch an Projekten des Freiwilligenzentrums. So können etwa Informationsveranstaltungen angebo-ten werden, die thematisch im Schnittpunkt von Verbraucherschutz, Bildung für zivilgesell-schaftliches Engagement und Quartiersentwicklung liegen.

Nach der im Oktober 2015 erfolgten formellen Einrichtung des Freiwilligenzentrums als "Un-termieter" in den Räumen der AVIB gemn. e.V. hat das "FZ" unmittelbar seine Arbeit aufge-nommen. 

Die Räumlichkeiten in den Häusern Burgblick 1-3  in 35327 Ulrichstein (siehe Lageplan) ste-hen dem FZ mietfrei zur Verfügung. Das "Bürgerbüro" im Haus Burgblick 3 als erstes Projekt des FZ (gemeinsam mit der AVIB) ist bereits besetzt und unter der gemeinsamen Rufnummer 06645 - 918789 praktisch "rund um die Uhr" erreichbar.

Die Email-Adresse des Freiweilligenzentrums Ulrichstein lautet fzulrichstein@gmail.com.

Lageplan des Freiwilligenzentrums (Bürgerbüro Haus 3, Treffpunkt und Seminarräume Haus 1+2)

Neben der Einrichtung des Bürgerbüros gibt es bereits eine Reihe weiterer Projekte, die das FZ unmittelbar realisieren, weiter ausbauen oder später neu auf den Weg bringen will:

  • Gründung eines "Help-Centers" (siehe Lageplan) mit Sharingbox für Gartengeräte und Werkzeuge (nur für die Mitglieder der Quartiersgemeinschaft)
  • Ausbau der Quartiersgemeinschaft im Wohngebiet Burgblick
  • Konzept "Soziales Bauen" (Leerstandsbekämpfung und Gewinnung von Neubürgern durch Nachverdichtung mit sog. Microhäusern bzw. Sanierung von Kleinwohnungen)
  • Netzwerk "Alternatives Wohnen im Vogelsbergkreis"
  • Verbraucherberatungsstelle für Senioren (AVIB gemn.e.V.) mit dem Schwerpunkt "Verbesserung der individuellen Lebensverhältnisse"
  • Foodsharing-Stützpunkt, Koch-Club, gemeinsamer Mittagstisch inkl. Ernährungsberatung
  • Mitfahrzentrale, Transporthilfe
  • Begegnungsstätte für das Wohngebiet Burgblick/Mehrgenerationenhaus/Familienzentrum
  • Informations- und Tagungsveranstaltungen zu den Themenkreisen Generationenhilfe, Pflege-Begleitung, Verbraucherschutz usw. (Info-Center).

 

U. Lange